Die Künstlerin über das Projekt

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Presse
VISION
Johann Sebastian Bach kann als der Vater der Musik für Solocello betrachtet werden. Mit seinen sechs Tanzsuiten für Violoncello hat er einen Bezugspunkt geschaffen, auf den sich alle Cellisten irgendwann in ihrer Karriere beziehen müssen, ein Werk, mit dem sie sich früher oder später konfrontieren müssen, ein zutiefst menschliches Werk, dessen Offenheit, Eleganz und Schlichtheit jedem zu Herzen geht.
Wie hat nun dieses Meisterwerk die Komponisten im Laufe der Zeit beeinflusst? Wie wurden gewisse formale Festlegungen überwunden, um zur Musik unserer Zeit zu gelangen?
BACH & FRIENDS
Dieses Projekt verändert in subtiler Weise den Blickwinkel des Zuhörers. Dieser unternimmt eine Reise in ein Land des Klanges, in dem die Komponisten, obwohl sie ihren individuellen und ganz und gar originellen Zugang vermitteln, einander von ihren eigenen zeitgebundenen und kulturell definierten Territorien aus zu betrachten scheinen.
Die Musik von Johann Sebastian Bach dient hier als « Heimathafen ». Zwischen jedem Satz seiner Suiten für Solocello werden kurze Stücke von bedeutenden Komponisten des 20 und 21. Jahrhunderts eingeschoben.
Diese Pendelbewegung nimmt mit auf die Reise ins Herz der Tonalität. Sie lässt den Zuhörer ihre Kraft und ihre fast körperliche Wirkung empfinden. Immer wenn man sich von der Tonalität entfernt, stellt sich Überraschung ein. Immer, wenn man zu ihr zurückkehrt, findet man zur angenehmen Sicherheit zurück. Wenn wir so nahe an die fundamentale Frage der Tonalität herangehen, ermöglichen wir dem Publikum, die zeitgenössische Musik ein Stück weit zu entdecken und vielleicht Vorurteile zu abzubauen.
Diese Pendelbewegung ermöglicht es auch dem Publikum, untypische Übergänge zwischen den einzelnen Suiten von Bach wahrzunehmen. Diese Passagen lenken den Blick auf gewisse Ähnlichkeiten zwischen Bachs Musik und zeitgenössischer Musik, indem rhythmische, melodische oder harmonische Elemente herausgearbeitet werden, die tatsächlich direkt Bachs Musik entlehnt sind. Ein andermal wieder schafft dieser Wechsel natürliche Brücken zwischen den verschiedenen Charakteren der Tänze von Bach.
ESTELLE REVAZ
Die österreichisch-schweizerische Cellistin Estelle Revaz spielt regelmäßig in zahlreichen Ländern Europas, Asiens und Südamerikas. Sie wird häufig zu anerkannten Festivals wie dem Gstaad Menuhin Festival, dem Verbier Festival, dem Internationalen Festival von Colmar oder dem Festival Pablo Casals mit Partnern wie Gautier Capuçon, Renaud Capuçon, Alexandra Conunova, Raphaëlle Moreau, Tai Murray, Lena Neudauer, Sergey Ostrovsky, Tedi Papavrami, Pierre Génisson, Ralph Manno, Finghin Collins, Anais Crestin, Christian Chamorel, Gaspard Dehaene, François Dumont, François-Frédéric Guy, François Killian, Cédric Pescia oder dem Quatuor Sine Nomine eingeladen. Sie konzertiert regelmäßig in renommierten Sälen wie der Victoria Hall, dem Paul Klee Zentrum, dem Musée du Louvre, dem NCPA in Beijing, dem Oriental Art Center in Shanghai, dem CCK in Buenos Aires oder dem Auditorium del Sodre in Montevideo.
Ihre Auftritte mit Orchester zeigen die Breite ihres Repertoires, von den Konzerten Bachs bis hin zu Konzerten Guldas oder Ligetis. Ab der Saison 17/18 ist Estelle Revaz auf drei Jahre Artist in Residence beim Genfer Kammerorchester. Eines ihrer zahlreichen Projekte ist auch die Einspielung eines CD-Albums mit Konzerten von F. Martin und X. Dayer (UA).
Die Kritik hat ihre erste CD Cantique (NEOS 2015), wo sie die Solistin der Konzerte E. Blochs (Schelomo) und A. Pflügers (Pitture- UA) ist, begeistert aufgenommen. LE TEMPS spricht von einer « tiefen, scharfen und anspruchsvollen Platte, auf der das Orchester und die Solistin mit Intelligenz und feinem Gespür spielen ». Ihre Platte für Solocello Bach & Friends (Solo Musica/Sony 2017) wurde auch von der Fachpresse stürmisch begrüßt. Pizzicato schreibt: « Der Klang ist von perfekter Reinheit, die Phrasierung ist äußerst klar und die Dynamiken sind außergewöhnlich subtil. » Anlässlich ihres letzten Duoalbums mit dem Titel Fugato (Solo Musica/Sony 2017), bezeichnet Le Courrier Estelle Revaz als « einen der aufgehenden Sterne einer neuen Generation großer Interpreten » und La Liberté spricht von « einem königlichen Programm, wo das Violoncello prachtvoll singt, schmachtend und voller Kraft. »
Estelle Revaz hatte Auftritte bei Radio France, bei der RTBF, beim Deutschlandfunk, beim WDR3 sowie bei der Radio Télévision Suisse. Neulich hat Estelle Revaz 5 Sendungen Estelle et le violoncelle im Schweizer Rundfunk geleitet und dabei 5 Themen präsentiert : Der Klang des Violoncellos, Die Technik des Violoncellos im Dienst des Ausdrucks, Die Interpretation durch die künstlerische Auswahl, Das Violoncello, ein Geschichtenerzähler und Die Zauberei der Inspiration durch die Cellokonzerte.
Nach ihren Anfängen in der Schweiz wurde sie in Frankreich am Conservatoire National Supérieur de Musique et Danse de Paris unter Jérôme Pernoo sowie in Deutschland an der Hochschule für Musik und Tanz Köln bei Maria Kliegel ausgebildet.
Seit 2015 ist Estelle Revaz Mitglied des «Forum des 100»: 100 Persönlichkeiten, die die Zukunft der Schweiz vertreten.
Zur Zeit spielt Estelle Revaz auf einem Violoncello von G. Grancino (1679) und mit einem Bogen von J. Eury (1825). Beides wurde ihr von großzügigen Schweizer Mäzenen zur Verfügung gestellt.
"Estelle Revaz spielt ihr anspruchsvolles Programm auf sehr hohem technischem Niveau und mit einem lupenrein intonierten Klang. Revaz’ Phrasierungen sind extrem klar und die dynamischen Abstufungen ungemein raffiniert. Sie gestaltet die modernen Stücke sehr rhetorisch, sehr gestisch, und dazwischen tanzt Herr Bach seine Soli beschwingt und beherzt, so, als wolle er angesichts der Bedeutsamkeit der Musik aus dem XX. und XXI. Jahrhundert sagen: "Seht her, so wie ich kann’s heute keiner mehr..."
Die Suiten-Sätze und die anderen Kompositionen reihen sich aber mit einleuchtender Konsequenz aneinander und machen klar, worum es der Solistin im Aufbau ging."
Pizzicato, März 2017
"Estelle Revaz ist, wie der Programmzettel auswies, als Interpretin weltberühmt. Das zeigte sich in der besonderen Souveränität ihrer Gestaltung. Die Sätze der Bach-Suite formte sie ungemein differenziert und plastisch. Perfekte Melodieführung, sinnvolle Rubati, eine große dynamische Spannweite fügten dem scheinbar vertrauten Werk immer neue Glanzlichter zu. Und welche Konzentration gehört dazu, nach dem Schlusston, den Revaz stets durch einen weitgeschwungenen Bogenarm markierte, unmittelbar in eine gänzlich andere musikalische Welt einzutauchen!
Die musikalischen Ausdrucksformen haben sich heute ungemein vervielfältigt. Bei Bach gab es weder Springbögen noch Flageolettspiel noch Glissandi. Auf das Prélude folgt Zimmer- manns fahle Einsamkeit mit dem Wechsel von Holz, Bogenhaar und Pizzicato. Bei Berio wird der Allemande ein stockender, in Artikulation, Phrasierung und Tempo wechselnder musikalischer Gang entgegengestellt. Gubaidulina greift die Achtelbewegung der Courante auf, stellt sie aber als musikalische Kristalle nebeneinander. Auf die Sarabande, das Ruhestück jeder Suite, lässt Revaz Kurtágs „Az hit“ folgen, ein fast gefälliges Sprechen des Instruments (tatsächlich liegt der Komposition eine Sopranmelodie zugrunde). Höchste Virtuosität zeigt die Künstlerin schließlich in den beiden letzten Korrespondenzen. Den Bourrées schließt sich bei Lutoslawski der Kampf zwischen dem Sacher-Motiv (S-A-C- H-E-re) und seinen Unterbrechungen an. Ligetis Capriccio von 1952 erweist Paganini wie Bartók die Ehre. Revaz‘ Interpretation war gewiss kongenial.
Die Künstlerin hatte aus gutem Grund gebeten, auf Zwischenbeifall zu verzichten. Dafür geriet er mit Stan- ding Ovation zum Abschluss des Abends umso stürmischer. Estelle Revaz bedankte sich mit Sarabande, und als der Applaus gar nicht enden wollte, mit dem Prélude, einem ihrer Lieblingsstücke."
Grafschafter Nachrichten, November 2020 (Live)
"In der eng bestuhlten „Steinway Lounge-Hug Musique“ setzte eine Cellistin ihren Namen hoch oben auf die Liste der kommenden Großen: Estelle Revaz durchsetzte in ihrer Matinee erfrischend unbefangen Teile aus Bachs Solosuite Nr.3 BWV 1009 mit Sätzen aus dem zwanzigsten Jahrhundert, was eindrückliche Parallelen aufzeigte"
Neue Zürcher Zeitung, Juni 2015 (Live)
"Die 1989 geborene österreichisch-schweizerische Cellistin Estelle Revaz beweist auf ihrer neuesten CD Mut und Geschick. (…) Die junge Solistin beweist, indem sie die technischen Klippen ihrer musikalischen Gipfeltour mühelos meistert, dass sie zu Recht als eine der internationalen Hoffnungen auf ihrem Instrument gilt."
CLASS:aktuell, April 2017
"Die Cello-Suiten von Johann Sebastian Bach sind ein genuin komplexer Kosmos, eine Bewährungsprobe für die Fähigkeiten ambitionierter Interpreten. So hat Estelle Revaz die Cello-Suiten aus aktueller Perspektive neu erkundet und sinnfällige Beziehungen zu zeitgenössischen Parallelen entdeckt. Gelungen ist ihr aufgrund souveräner Anwendung je adäquater, oft diffiziler Spieltechniken eines der besten Cello-Konzepte für die Gegenwart."
Musik und Theater, Januar 2018
"In den ersten 50 Konzertminuten hat Estelle Revaz zwei der sechs Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach gespielt. Die Solistin steigert sich mit jedem Satz. Noch vor der Pause legt sie ein wahrhaft grandioses Finale hin. Sie zelebriert die anspruchsvollen Stücke stimmungsvoll, druckvoll und mächtig. Der zweite Teil des Konzertes ist in seiner sehr berührenden, bisweilen fast schon etwas sphärisch anmutenden Darbietung der eigentliche Höhepunkt des Konzertes. Estelle Revaz springt scheinbar mühelos vom Barock zur Moderne. Mit stehenden Ovationen wird sie von den begeisterten Zuschauern verabschiedet. Eine wahrhaft spannende und meisterhafte dargebotene Vorstellung von Bach und seinen Freunden."
Hohenloher Zeitung, Juni 2019 (Live)
"Estelle Revaz strahlt mitreißenden jugendfrischen Schwung aus, wie sie in knallrotem Kleid und mit verzücktem Gesichtsausdruck ihr Cello hoch in die Luft wirft. Wie Estelle Revaz, 1989 in der Schweiz geboren, spielt, das hat Biss und sprüht vor lustvollem Spieltemperament und sinnlicher Klangfantasie gleichermaßen. (…)
Bindeglied ist der tiefempfundene, zugleich tänzerisch-leichte, aber dabei ausgesprochen ehrlich anmutende Spielfluss von Estelle Revaz. Sie zerstückelt die Bach-Sätze nicht etwa durch zu exaltiertes Gegen-den-Strich- Bürsten und bevorzugt anstelle von irgendwelchem Pathos lieber ein luftig atmendes Klangideal, was durchaus am historisch aufgeklärten Spielideal nah dran ist. Bachs Suitensätze mutieren zum Sprungbrett für neue Abenteuer - bevor der „Bach-Faden“ kontinuierlich wieder aufgenommen wird. Bei mehrmaligem Hören erschließen sich dann auch immer mehr struktuelle Quer-Bezüge zwischen „alt“ und „neu“. (…) Fazit: Für die Hinterfragung von Standpunkten, Perspektiven und Konventionen erweist sich Estelle Revaz mit dieser neuen CD als engagierte Mittlerin."
Klassik Heute, April 2017
"Das Spiel dieser vielen Seiten erfolgt logisch und beherzt. Es gibt dem Stück eine fast choreographische Dimension, die in keinem Moment die akrobatische Virtuosität der Interpretin beeinträchtigt. Estelle Revaz weiß, wie sie eine breite Palette an instrumentalen Farben verbunden mit warmer und eroberungslustiger Überschwänglichkeit subtil zu dosieren vermag. Die Kontraste in der Dynamik, die Fülle an Ausdruck, die melodisch wulstig und sanften Kurven des Spiels von Estelle Revaz machen, dass sogar die auf den ersten Blick schmucklosesten Aspekte von einer Umsetzung profitieren, die ganz wunderbar Intelligenz und Sensibilität verbindet, um das ganze emotionale Potenzial erfahrbar darzustellen und die spürbare Gemeinsamkeiten zwischen der Musik Bachs und der der wichtigsten Komponisten unserer Zeit nachvollziehbar zu machen."
Scènes Magazine, September 2017
"Estelle Revaz, eine strahlende, lebendige und engagierte Künstlerin. Jetzt schnell entdecken!"
RTBF, Februar 2018
"Schlichtheit und Einfachheit sind angebracht in der Interpretation der zwei schwierigen Suiten für Violoncello solo (BWV 1007 und 1009). Die Solistin imponiert durch ihre äußerste Sauberkeit in allen Registern und ihre große Konzentration: Meisterlich erschafft sie die rästselhafte, geheimnisvolle und spannende Atmosphäre des Werkes neu. Die Entscheidung, andere Stücke einzuschieben, verwandelt das Konzept der Aufeinanderfolge der Tänze und erzeugt sozusagen eine Erweiterung der Suite. Wäre Bach damit einverstanden gewesen? Wie auch immer, in diesem chronologischen Wechselspiel geht Estelle Revaz mit großer Leichtigkeit von der barocken zur zeitgenössischen Ästhetik und navigiert souverän zwischen Tradition und Moderne : eine junge Künstlerin und wahrhaftige ‚Freundin Bachs‘ jetzt schon auf dem Höhepunkt ihrer Kunst."
L'éducation musicale, Juni 2017